„In Japan ist alles viel schöner, weißt du. Denn Japan riecht von oben bis unten nach Räucherstäbchen. Japan ist das Land meiner Träume.“ Der kleine Bär zum kleinen Tiger

So wie für den kleinen Bären und den kleinen Tiger im bekannten Janosch-Buch Panama das Land ihrer Träume ist, so ist es für mich Japan. In Japan ist alles viel schöner, denn da

  • haben die Tempeldächer den elegantesten Schwung, den man sich vorstellen kann,
  • sind die Menschen so höflich und hilfsbereit, dass man sich als Deutscher kneifen muss, um festzustellen, dass das kein Traum ist,
  • sind die Züge nicht nur pünktlich, sondern halten (fast) auf den Zentimeter genau an der markierten Stelle,
  • kann man so exotische und köstliche Dinge wie fermentierte Sojabohnen (natto), Buchweizennudeln mit grünem Tee (matcha soba) und Tofu-Haut (yuba) essen,
  • sorgen heiße Thermalquellen nicht nur für eine angenehme Entspannung, sondern auch für eine besondere Schwefelnote, die man für den Rest des Tages auf der Haut mit sich herum trägt.

Ihr seht: Japan kann man eigentlich nur lieben. Ich zeige euch jetzt die Highlights meiner Reise – und auch, was man sich meiner Ansicht nach getrost sparen kann (und so bereitet man sich übrigens am besten auf eine Japan-Reise vor).

1. Tokyo

1.1 Tokyo Sky Tree

Seit ich das letzte Mal vor acht Jahren in Tokyo war, hat die Stadt prominenten Zuwachs bekommen: den Tokyo Sky Tree – mit 634 Metern immerhin das zweithöchste Gebäude der Welt. Wenn man heute vom Flughafen mit dem Zug in die Stadt fährt, ist der Sky Tree tatsächlich das, was einem als erstes ins Auge fährt. Weil in dem Viertel, in dem er steht, die meisten Gebäude rundherum nicht sonderlich hoch sind (längst nicht alle Gebäude in Tokyo sind Wolkenkratzer), sticht er noch einmal besonders heraus. Er mutet ziemlich futuristisch an – ein bisschen wie ein abgefahrenes Raumschiff, das gerade in dieser Stelle geparkt wurde, um die Erde und ihre Einwohner zu erforschen.

Im Inneren verbirgt sich dann eher schnöde ein Fernsehturm. Aber immerhin einer mit Aussichtsplattformen auf 350 und auf 450 Metern Höhe! Bevor man zu deren Eingang gelangt, wird man von der U-Bahn aus allerdings erst einmal durch ein mehrgeschossiges Einkaufszentrum mit zig Geschäften, Cafés und Restaurants gelotst. Na ja, irgendwie müssen die Baukosten von  umgerechnet knapp einer halben Milliarde Euro schließlich wieder reinkommen.

Der Eintritt ist mit ca. 28 Euro zwar ziemlich happig (allerdings habe ich auch ein spezielles Ticket gekauft, mit dem man an der Warteschlange vorbei direkt zum Aufzug durfte, mit Anstehen kostet es ca. 20 Euro), aber es lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall. Denn den Ausblick, den man dafür bekommt, ist spektakulär, atemberaubend, einzigartig. Leider war es an dem Tag, an dem ich dort war, etwas diesig, so dass man nicht so weit gucken konnte wie sonst. Bei klarer Sicht kann man sogar den Fuji-san sehen! Allerdings hat die leicht neblige Atmosphäre durchaus ihren eigenen Charme. Auch nicht schlecht, wenn sich in der Ferne die Hochhäuser im Nebel verlieren. Die Autos auf der Straße wirken aus dieser Höhe wie Ameisen, die durch einen riesigen Ameisenbau namens Tokyo krabbeln.

Und nicht zuletzt fand ich nicht nur den Blick vom, sondern auch auf den Sky Tree toll – besonders nachts, wenn er bunt erleuchtet ist. Die letzten beiden Nächte hatte ich von meinem Hotelzimmer aus einen Blick auf diese Spektakel. Das nenne ich mal room with a view! Übrigens: Eine ganz gute kostenlose Alternative zum Tokyo Sky Tree ist das Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku. Dort kann man zwar nicht ganz so weit gucken, aber rundherum stehen viele Hochhäuser – besonders nachts ein toller Ausblick, wenn man Millionen von Lichtern sieht.

1.2 Yanaka

Tokyo ist so groß, dass man jedes Mal wieder komplett neue Stadtviertel für sich entdecken kann, in die man vorher noch nie einen Fuß gesetzt hat. Nach dem futuristischen Sky Tree mit seinen wuseligen Besucherscharen, stand mir der Sinn nach etwas Ruhigerem und Beschaulicherem. Also auf nach Yanaka! Das ist ein uriges Viertel, durch das man einen sehr entspannten Spaziergang unternehmen kann. Hier gibt es noch viele kleine Geschäfte, alteingesessene Handwerker, hübsche Cafés und einen der größten Friedhöfe Tokyos. Das Leben läuft einige Takte langsamer als in den hektischen In-Vierteln wie Shibuya oder Harajuko.

Das Besondere daran: Yanaka wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont. Und auch in den Jahrzehnten danach, in denen weite Teile Tokyos komplett umgestaltet oder neu gebaut wurden, ist hier nicht viel passiert. Auch heute noch prägen Gebäude aus den 50er Jahren das Straßenbild – für Tokyo eher ungewöhnlich. Ich habe mir einen Nachmittag Zeit genommen, um durch das Viertel zu streifen und habe dabei mehrere Friedhöfe (tolle Fotoobjekte!), ein paar Galerien und Designläden, einen Tempel sowie ein Café besucht. Ich wusste vorher nicht, dass Tokyo so relaxed sein kann!

1.3 Shibuya

Es ist zwar nicht unbedingt schön, aber für das ultimative Tokyo-Feeling muss man wenigstens einmal nach Shibuya, das Herz der japanischen Jugendkultur. Hier gibt es viele billige Klamottengeschäfte, Karaokeläden, Cafés, Videospielhallen und riesige Neonreklamen. Shibuya ist genau der richtige Ort, wenn man schräge Typen beobachten oder einfach mal wissen will, wie viele Menschen in einer Grünphase die belebteste Kreuzung der Welt passieren können. Die meisten kuriosen Trends, die irgendwann mal von Japan nach Europa schwappen, werden in Shibuya geboren. Ich bin mir sicher, dass hier vor ein paar Jahren eine mangaverrückte 15-Jährige auf die Idee gekommen ist, sich die Haare grau zu färben – und  schon war ein weltweiter Trend geboren. Was nun der nächste heiße Scheiß wird – Pantoffeln auf der Straße tragen, einen Vogel auf seinem Kopf nisten lassen – weiß ich leider nicht. Mein Talent als Trendscout scheint leider wenig ausgeprägt. Das liegt womöglich auch daran, dass mir Shibuya nach einer halben Stunde dann doch ziemlich auf den Keks ging, wie vermutlich den meisten Leuten jenseits der 30. Von allen Seiten wird man beschallt, auf monströs großen Videoleinwänden springt alle drei Minuten das perfekte H&M-Modell ins türkisblaue Wasser einer Tropeninsel und von allen Seiten strömen Menschenmassen auf einen zu, denen man ausweichen muss. Doch halt, macht euch besser selbst ein Bild davon:

 1.4 Sanja-Matsuri in Asakusa (Volksfest)

Am letzten Tag in Tokyo hat es mich dann noch auf ein original japanisches Volksfest verschlagen – eine Premiere für mich. Und dann war es auch gleich noch eines der drei größten Volksfeste von Tokyo, das drei Tage lang dauert (wobei ich nur noch die Ausläufer des letzten Tages mitbekommen habe). Sagte ich, dass Japaner zurückhaltend sind? Höflich? Ruhig? Das kann man getrost vergessen, zumindest auf Volksfesten! Dann scheinen sie viele der sozialen Normen, die ansonsten ihr Leben reglementieren, über Bord zu werfen. Es wird wild gefeiert, laut gelacht und – vor allem – viel getrunken. Zumindest das Sanja-Matsuri scheint sich vor allem um eines zu drehen: Sake! Nun wird der Reiswein aber nicht einfach so gebechert, sondern auf eine bestimmte, rituelle Form.

Zunächst einmal tragen die Leute (besonders viele Männer) eine Art Kittel, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er kurz ist. Sehr  kurz. Wer möchte, kann darunter noch Hosen tragen, aber das scheint nur optional zu sein. Ich hätte vorher jedenfalls nicht gedacht, in Japan mal so knapp bekleidete Männerbeine zu sehen. Beim Sanja-Matsuri hatte sich eine Gruppe von derart bekleideten Männern vor dem Eingangstor von Senso-ji (dem wichtigsten und meistbesuchten buddhistischen Tempel von Tokyo) versammelt, um sie herum eine Menschenmenge. Die Männer tanzten immer paarweise auf das Publikum zu, wobei sie aus einem ziemlich großen Holzkästchen Sake tranken. Dabei wurden sie vom Publikum lautstark durch Klatschen und Rufe angefeuert. Ich als Ausländer stand daneben – und verstand nichts.

Macht nichts: Die Stimmung war ausgelassen, die Japaner hatten Spaß, ich hatte Spaß. Später habe ich dann gelesen, dass beim Sanja-Matsuri die drei Brüder gefeiert werden, die der Legende nach Senso-ji gegründet haben. Im Laufe der drei Festtage werden etwa 100 Mikoshi – kleine Schreine – durch Asakusa getragen, um den Bewohnern Glück und Wohlstand zu bringen. Und wer weiß, der Sake wird dann vielleicht auf die Gesundheit getrunken? Jedenfalls war ich froh, noch einen kleinen Teil des Spektakels mitbekommen zu haben. Übrigens war der Tag nach dem großen Fest der einzige, an dem ich jemals in Japan Müll auf der Straße gesehen habe – ansonsten undenkbar.

Weiter geht’s in Kyoto!