Es gibt ja tatsächlich Menschen, die meinen, es gäbe kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Nonsens, wenn ihr mich fragt. Wenn es draußen grau und nass ist und die Tage kürzer und kälter werden, will ich mich am liebsten nur noch mit einer Tasse dampfenden Tee und einer kuscheligen Wolldecke aufs Sofa verziehen. Und dort bis zum Frühjahr bleiben.

Der beste Reisemonat in Thailand: November

Eine Alternative dazu ist natürlich, irgendwo hinzufahren, wo es schön und warm ist. Zum Glück gibt es Thailand! Denn genau, wenn es bei uns kalt und ungemütlich ist, herrscht dort das beste Wetter: trocken (also keine Regenzeit) und „kühl“ (also tagsüber auch mal unter 30 Grad). Die beste Reisezeit ist von November bis Februar. Danach wird es dann wieder heißer, bis im April die Spitzentemperaturen erreicht werden. Einmal bin ich im April nach Thailand gereist – großer Fehler! Kein Tag unter 40 Grad, und das bei einer hohen Luftfeuchtigkeit. Puh, selten so heftige Kopfschmerzen gehabt.

Von Mai bis Oktober herrscht dann Regenzeit. Das heißt zwar keinesfalls, dass es die ganze Zeit regnet, aber die Regengüsse können doch sehr heftig ausfallen. Außerdem haben dann auch die Moskitos Hochsaison (blutrünstige kleine Mistviecher!). Ein sehr angenehmer Monat zum Reisen ist hingegen der November – vielleicht sogar der beste Reisemonat für Thailand überhaupt. Denn im Dezember und Januar ist es an vielen Orten voll und deutlich teurer, weil so viele Westler über Weihnachten und Silvester nach Thailand fahren. Und ab Februar fangen die Temperaturen dann schon wieder an zu steigen. Außerdem ist Thailand im November besonders grün, weil die Regenzeit gerade erst vorbei ist.

Thailand ist optimal für Reise-Anfänger, Südostasien-Neulinge und Alleinreisende

Tja, und da ich im November 2016 (ich schreibe das im Februar 2017, verdammt, wo sind eigentlich die vergangenen drei Monate geblieben?) nichts anderes vorhatte und ganz dringend dem Schietwetter hier entkommen wollte, bin ich also nach Thailand geflogen – zum mittlerweile dritten Mal. Thailand ist übrigens ein Land, das ich auch Reise-Anfängern, Südostasien-Neulingen und Alleinreisenden sehr ans Herz legen kann. Es ist sehr sicher, die Infrastruktur ist ausgezeichnet, und die Thais sind ausgesprochen freundlich (ja, ja, manchmal stimmen Klischees eben einfach). Und auch als Frau kann man sich völlig problemlos ganz alleine bewegen. Daneben hat Thailand eigentlich alles zu bieten, was das Herz eines Reisenden begehren kann: Kultur + Natur + Strand + gutes Essen. Es ist also eigentlich egal, was für eine Art Urlaub man machen will – es ist sehr wahrscheinlich, dass man in Thailand fündig wird.

Ich bin eigentlich ein Hardcore-Kulturjunkie. Früher hatte ich auf Reisen den Anspruch, auch ja keinen interessanten Tempel, auch ja kein hochgelobtes Museum auszulassen. Da artete so manche Reise regelrecht in Arbeit aus. Mittlerweile bin ich da aber viel entspannter. Schließlich reise ich nicht nur, um neue Erfahrung zu machen, sondern auch, um mich von meinem (Arbeits-)Alltag zu erholen. Man könnte auch sagen, ich bin ein fauler Kulturjunkie geworden. Mein Ziel in Thailand: Hardcore-Relaxen mit wohlgewählten Dosen von Kultur.

Bangkok und ich: Es ist kompliziert

Meine Thailandreise startet  – wie sollte es anders sein – in Bangkok. Übrigens lohnt es sich im Moment, gezielt nach Direktflügen von Deutschland nach Thailand zu suchen. Ich habe z.B. einen Direktflug von Köln nach Bangkok für 550 Euro erwischt. Ohne Zwischenstopp ist man ca. 12-13 Stunden unterwegs. Wenn man in Arabien oder China umsteigen muss, werden daraus schnell schon mal 20 Stunden und mehr.

20161206_233128

Meine Bangkok-Highlights:

  • Königspalast
  • Rooftop Bars
  • Wat Pho
  • Fahrten mit dem Skytrain und den Fähren
  • lokale Märkte

Bangkok also. Wenn ich einen Beziehungsstatus zwischen dieser Stadt und mir angeben müsste, würde ich sagen: Es ist kompliziert. Einerseits finde ich wuselige Großstädte immer wieder spannend. Bei jeder Reise kann man sie neu kennenlernen, weil sich in der Zwischenzeit so viel geändert hat. Andererseits hat mir Bangkok bislang eigentlich immer nur den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt. Da war der Tuk-Tuk-Fahrer, der mich zu mehreren Tempeln fahren sollte und stattdessen immer nur von einem Touristen-Shop zum nächsten brachte (gängige Abzocke in Bangkok). Da war der halbseidene ältere Kerl, Typ Massagesalon-Betreiber, der mir Edelsteine aufschwatzen wollte, weil die Regierung – aber wirklich nur heute! – die 90-prozentige Steuer erlässt (ebenfalls Standard-Abzocke in Bangkok). Und da waren die Massenproteste 2010, die das Militär nicht sonderlich zimperlich niedergeschlagen hat. Als Tourist hat man davon zwar nur wenig mitbekommen, aber ein sehr mulmiges Gefühl war das dennoch damals, Soldaten in voller Kampfmontur auf den Straßen zu sehen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der vielleicht größte Stau der Welt: Bangkok

Außerdem gibt es in Bangkok wahnsinnig viel Stau, hohe Luftverschmutzung und verdammt viele Straßen, die man als Fußgänger schlicht nicht überqueren kann. Tatsächlich kann es hier zu einem echten Problem werden, wenn man von Punkt A nach Punkt B will und keine Skytrain-Station oder der Fluss in der Nähe ist. Dann muss man sich ein Taxi oder ein Tuk-Tuk nehmen (ich empfehle ein Taxi, nicht nur wegen meiner schlechten Erfahrung mit dem Tuk-Tuk-Fahrer, sondern auch weil man im Tuk-Tuk die volle Dröhnung Abgase mitbekommt) – und ist auf Gedeih und Verderb dem Bangkoker Verkehrschaos ausgeliefert. Ich kenne jemanden, der einige Jahre in Bangkok gelebt hat. In der Rushhour hat er von seinem Haus bis zur Arbeit zwei Stunden gebraucht – jeden Morgen und jeden Abend. Irgendwann hat er Stadt entnervt den Rücken gekehrt.

Die besten Fortbewegungsmittel in Bangkok: Skytrain und Fähren

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Eine traditionelles Holzboot auf dem Chao Phraya – ganz für mich allein

Gute Fortbewegungsmittel sind neben dem Skytrain – eine supermoderne Hochbahn – auch die zahllosen Fähren und kleinen Boote, die auf dem Chao Phraya kreuzen. Noch immer ist der Fluss eine enorm wichtige Verkehrsader für Bangkok. Um also dieses Mal strategisch gut aufgestellt zu sein, nehme ich mir extra ein Hotel, das in der Nähe einer Skytrain-Station und vom Fluss liegt: das Centre Point Silom. Mal abgesehen von einem etwas biederen Charme, der auch schon bessere Tage gesehen hat, bin ich sehr zufrieden mit dem Hotel. Neben seiner exzellenten Lage punktet es vor allem durch einen Pool, von dem aus man einen spektakulären Blick auf die Hochhäuser und Wolkenkratzer rundherum genießt – wirklich cool.

Und dann passiert noch etwas Unerwartetes: Ich bekomme zum ersten Mal in meinem Leben ein kostenloses Upgrade. Huch! Ich glaube nicht, dass ich vorher überhaupt schon mal in einem Hotel war, in dem es so etwas gibt. Ich bekomme also kein Zimmer, in dem ich gerade mal so eben noch einen Blick auf den Fluss erhasche, wenn ich mich ganz weit aus dem Fenster lehne und mich dann noch artistisch verbiege. Sondern ich bekomme einen richtigen Flussblick, Full HD Panorama-View. Inklusive einem sehr kitschigen Sonnenuntergang am ersten Abend, der durch den Smog noch viel intensiver in 50 shades of orange (naja, es sind wohl ein paar mehr) leuchtet. Und so sehr ich eben noch auf Bangkok geschimpft habe: Skyline kann diese Stadt.

OK, das Hotel ist also schon mal toll. Aber geht auch meine Rechnung auf, dass ich es von dort aus endlich einmal schaffe, den Königspalast zu besuchen? Denn der steht auf meiner Kulturjunkie-To-Do-Liste ganz oben. Und das nicht erst bei dieser Reise. Auch bei meinen vorangegangenen Besuchen in Bangkok wollte ich jedes Mal den Palast besuchen. Aber nein – immer machte mir irgendeine der bereits erwähnten Widrigkeiten (Verkehr, Verarsche, Proteste) einen Strich durch die Rechnung. Dieses Mal aber nicht! Etwa 20 Minuten schippere ich mit einem Bötchen den Fluss hinauf, dann laufe ich noch etwa 10 Minuten, bis ich tatsächlich vor dem Eingang vom Königspalast stehe. Mensch, dass ich das noch erleben darf. So muss sich Indiana Jones gefühlt haben, als er endlich den Tempel mit dem heiligen Gral gefunden hat.

Ein kulturelles Highlight: der Königspalast in Bangkok

Obwohl – vielleicht auch nicht. Schließlich musste er danach einige lebensgefährliche Prüfungen meistern. Ich hingegen muss nur für die Sicherheitskontrolle meine Sonnenbrille absetzen, meine Tasche durchsuchen lassen und meinen Reisepass vorzeigen. Wie, was, den Reisepass? Der sicher im Hotelsafe liegt? What? Ach, Personalausweis geht auch? Puh, gerade noch mal Glück gehabt. Sonst wäre auf der Liste der Gründe, warum ich den Königspalast bislang nicht gesehen habe, auch noch eigene Dummheit gelandet. Neben dem Ausweis ist übrigens auch korrekte Kleidung wichtig (Knie und Schultern bedeckt, angeblich geschlossene Schuhe, wobei ich aber auch Leute in Flipflops im Palast gesehen habe). Allerdings kann man auch Kleidung vor Ort leihen, wenn man den Ansprüchen der Palastwache nicht genügt. Allerdings ist das dann eine lange Schlange mehr, in der man anstehen muss.

Der Königspalast ist definitiv ein kulturelles Highlight von Thailand. Jetzt, da ich ihn endlich gesehen habe, kann ich das mit Fug und Recht sagen! Wenn man in Bangkok nur eine einzige Sehenswürdigkeit besuchen will, würde ich zu dieser raten. Schöne Tempel gibt es in Bangkok zwar auch, aber die kann man meiner Meinung nach viel entspannter z.B. in Chiang Mai genießen. Der Königspalast hingegen ist einmalig. Die Größe und Pracht der Anlage raubt einem den Atem. Die über und über mit buntem Glas und goldenen Mosaiksteinen verzierten Gebäude glitzern und gleißen in der Sonne um die Wette. Überall bricht sich das Licht, an jeder Ecke klimpern kleine Tempelglocken im Wind. Und genau dieser Prunk ist der Grund dafür, warum der Königspalast eine der beliebtesten Attraktion Thailands ist. Dass er kein Geheimtipp ist, war mir durchaus auch vorher klar. Dass er derart überlaufen ist, allerdings nicht. Andauernd muss man jemandem ausweichen. Eine ruhige Ecke zu finden, in der man innehalten kann, um die Szenerie auf sich wirken zu lassen, gibt es kaum.

Die Trauer um König Bhumibol treibt teilweise seltsame Blüten

Zu der Zeit, in der ich den Palast besuche, sind aber nicht nur Horden ausländische Touristen vor Ort. Daneben reihen sich Tausende schwarzgekleidete Thais in lange Schlangen ein und warten stundenlang in der Hitze, um dem König die letzte Ehre zu erweisen und sich in das Kondolenzbuch im Palast einzutragen. König Bhumibol ist im Oktober 2016 verstorben, nachdem er sieben Jahrzehnte lang Thailand regiert hatte – er war der dienstälteste Monarch der Welt. Die Staatstrauer ist auf ein Jahr angesetzt. Schon zu Lebzeiten wurde er von den Thailändern sehr verehrt, aber nach seinem Tod hat diese Verehrung noch einmal eine andere Dimension erreicht.

Nicht nur im Königspalast, sondern auch auf den Straßen begegne ich sehr vielen Thais, die Schwarz tragen. An jeder Straßenecke gibt es Trauerschleifen zu kaufen, die man sich anstecken kann. Die meisten Ausstellungen in Museen und Galerien widmen sich derzeit einzig dem Leben des Königs. Riesige Tafeln an Gebäuden und neben Fernstraßen erinnern an den König. In praktisch jedem Hotel und Einkaufszentrum, in vielen Skytrain-Stationen und an vielen weiteren öffentlichen Orten sind Altäre aufgebaut und liegen Kondolenzbücher aus. Bislang ist mir noch in keinem anderen Land, in dem ich je gewesen bin, ein derart krasser Personenkult aufgefallen. Ich finde das in weiten Teilen ziemlich befremdlich. Das Absurdeste aber sind Kostüme, die einer Uniform des Königs nachempfunden sind. Im Königspalast sehe ich ein Paar, das sich vor einem abgesperrten Teil des Palastes – offenbar der Privattrakt – fotografieren lässt. Ich denke tatsächlich zuerst, dass das Angehörige von Militär, Polizei o.ä. sind. Erst als ich später die Kostüme in einem Laden entdecke, fällt es mir wie Schuppen von den Augen.

Ein sagenhafter Ausblick: Rooftop Bars in Bangkok

Nach etwa zwei Stunden im Königspalast reicht es mir. Die Menschenmassen und vor allem die Hitze setzen mir zu, und ich flüchte in das nächste klimatisierte Restaurant. Essen ist denn auch ein weiteres Highlight jedes Thailand-Tripps. Kaum irgendwo kann man so lecker (und wenn man will auch günstig) essen, wie hier. Vom kleinen Straßenstand bis hin zum hippen Restaurant (falls ihr mal in der Nähe von der Skytrain-Station Saphan Taksin seid: Mazzaro bietet eine tolle thailändisch-italienische Fusionküche in einer sehr hübsch designten Location) lohnt es sich meiner Meinung nach, alles einmal auszuprobieren. Definitiv einen Besuch wert sind auch die Rooftop Bars, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Zufällig befindet sich fußläufig von meinem Hotel die Sky Bar. Hier kann man im 63. Stock Cocktails schlürfen und den Ausblick auf die Stadt genießen. Die Bar wirbt damit, dass hier eine Szene von „Hangover 2“ gedreht wurde. Egal, ich gehe trotzdem hin.

Auf etwas Show und Chichi muss man sich allerdings schon einstellen, wenn man eine solche Bar besucht. Im Aufzug in den 63. Stock sehe mich einer Gruppe sehr aufgebrezelter Frauen gegenüber – unter 7 cm Absatz und 20 Minuten schminken geht hier anscheinend nichts. Muss man ja aber nicht mitmachen, wenn man keine Lust dazu hat. Allerdings ist auch hier wieder korrekte Kleidung (also keine Shorts, keine Badelatschen) wichtig, um überhaupt reingelassen zu werden. Unten auf der Straße hat sich eine Verkäuferin darauf eingestellt: Sie verleiht und verkauft gebrauchte Kleidung und Schuhe, für alle, die von den Kleidungsvorschriften überrascht werden. Oben herrscht dann eine etwas überdrehte Atmosphäre – ein bisschen so, als ob alle Leute dort wahnsinnig hip und angesagt sind, nur weil sie ihre Drinks in 250 Metern Höhe genießen. Und ja klar: Selfies werden dort wie blöde gemacht. Die Show hinzunehmen, lohnt sich dennoch – denn man wird mit einem sagenhaften Ausblick über Bangkok belohnt. War ich von dem Ausblick von meinem Hotelzimmer begeistert? Von der Sky Bar aus erscheint mein Hotel geradezu niedlich, so weit liegt es unter mir. Wie gesagt: Skyline kann diese Stadt!